Grün-As

Nicht 08/15 - sondern besser

»08/16« - Das Jugendprojekt in Leipzig-Grünau wird ein Jahr alt

»08/16« heißt das Jugendkulturprojekt, das Herbert Grönemeyer in Leipzig-Grünau initiiert hat und für zunächst drei Jahre finanziert. Im April 1994 ging das Projekt, nach einem Jahr zäher Vorbereitungszeit, an den Start.

In Leipzig-Grünau, einer Wohnblocksiedlung für 80.000 Leute, leben fast 20.000 Kinder und Jugendliche. Innerhalb der letzten Jahre sind dort von sieben bestehenden Jugendclubs vier geschlossen worden. Die Plattenbausiedlung bietet keine Infrastruktur, die den Jugendlichen eigene Freizeitgestaltung möglich machen könnte. Keine Schwimmhalle, keine nutzbaren Sportplätze, keine Kinos oder Ähnliches. Einzige Treffpunkte, außer den noch bestehenden Jugendclubs, sind Lokale, Straßen, Parks und Plätze.

Im Jugendclubhaus Völkerfreundschaft (»Völle«) hat das Projekt »08/16« seinen Platz gefunden. Für »08/16« sind zwei Sozialarbeiter eingestellt worden, die Jugend- und Kulturarbeit mit einer Clique von Jugendlichen leisten, die teilweise der rechten Szene angehören. Diese Gruppe von bis zu dreißig Jugendlichen (16-25 Jahre) war für das Jugendclubhaus lange ein Problem. Mit Unterstützung der zwei Sozialarbeiter haben sich die Jugendlichen vor einem Jahr »ihre« Räume im Haus selber hergerichtet, dort ist ihr täglicher Treffpunkt und ihre Anlaufstelle.

Zusammen mit den Sozialarbeitern und im Freundeskreis werden dort gemeinsame Ideen entwickelt und durchgeführt: So werden monatlich unterschiedliche Projekte realisiert, die die Jungen und Mädchen gemeinschaftlich eigenverantwortlich ausgedacht und organisiert haben. Dazu gehören außer regelmäßigen Festen (auch Mitarbeit bei Stadtteilfesten), Fußballturniere, Ausflüge wie zum Beispiel eine Fahrt ins böhmische Erzgebirge, Sommerzeltlager, Konzertbesuche (Ska-Festival in Potsdam) und Videoabende.

Mittlerweile haben einige der männlichen Jugendlichen eine Band gegründet und einen Proberaum in der »Völle« erhalten. Die 08/16-Mädchen ihrerseits organisierten für sich und die Völle-Besucherinnen einen Aerobic-Kurs. Eine sehr beachtliche Leistung, waren doch die Beteiligten von 08/16 früher in der Völle nicht zugelassen. Und jetzt werden auch Partys zusammen veranstaltet.

Konkret in Planung ist eine - in Zusammenarbeit mit drei Studenten - selbstgedrehte Filmdokumentation über das Projekt »08/16«. Und für die Zukunft: z.B. Theaterarbeit, Treffen mit anderen Jugendclubs bei Wettkämpfen, Festen und Seminaren. Schon im letzten Jahr haben einige aus der Gruppe ein Seminar über gewaltfreies Zusammenleben mit Ausländern besucht - das jetzt im Frühjahr wiederholt wird.

Seit Anfang 1995 besitzt das Projekt 08/16 einen eigenen Kleinbus. Dadurch unabhängig können viele kleinere Fahrten unternommen werden, die immer die Möglichkeit sind, für einige Stunden dem tristen Grünau zu entfliehen. Ein weiterer sehr wichtiger Arbeitsbereich der beiden Sozialarbeiter ist die Unterstützung der Jugendlichen bei der Lösung ihrer individuellen Probleme.

Das kann heißen Unterstützung und Beratung bei Strafverfahren, Hilfe bei Ausbildungsplatz- und Wohnungssuche, Umschulungen, bei familiären Schwierigkeiten, Suchtproblemen und allgemeinen Behördengängen.

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