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Bilder von Holm Henck noch bis April zu sehen

»Er drückte in seinen Bildern aus, was er mit seinen eigenen Augen sah - wachsam und aufmerksam. Ihnen zu entnehmen sind aber Geschichten und Augenblicke, die hinter seinen Augen abliefen und häufig im Verborgenen blieben.« Mit diesen Worten beschrieb Ines Frohberg zur Ausstellungseröffnung am 15. Januar die Werke ihres Bruders Holm Henck eindrucksvoll und ziemlich genau.

Seine Bilder - die meisten in Öl auf Leinwand und allesamt schwerlich einer konkreten Kunstrichtung zuzuordnen - können wohl diejenigen am besten interpretieren, die den Grünauer Künstler zu Lebzeiten kannten. Ein Leben, das von unzähligen Höhepunkten und Tiefschlägen geprägt war oder künstlerisch ausgedrückt: Ein Leben, das sich in bunten Farben oder düsteren Schattierungen und Motiven widerspiegeln konnte.

Manchmal auch beides zugleich. Denn selbst positiv anmutende Motive sind beim genaueren Hinsehen von großer Tiefgründigkeit geprägt. »Er malte, was ihn persönlich im tiefsten Inneren bewegte, entwickelte Motive aus den Stimmungen, in denen er sich gerade befand.« Beim Betrachten seiner Bilder, die auf insgesamt drei Etagen der Galerie Stadtvilla in der Ferdinand-Lassalle-Straße 22 ausgestellt sind, kann man sich nur ansatzweise in diese Stimmungen hineinversetzen.

Vor allem jene, auf denen er sich selbst darstellte, lassen vage Einblicke in die Seele des verstorbenen Künstlers zu. Daneben umfasst der erstaunlich große Nachlass unter anderem Portraits von ihm nahe stehenden Personen, berühmten Persönlichkeiten, Bilder seiner Heimatstadt Leipzig und Clowns in allen nur erdenklichen Variationen.

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Ausstellung von Holm Henck in der Akademie für Kunst und Design

Die meisten der vorwiegend großformatigen Werke bewahrte Holm Henck in seiner kleinen Grünauer 2-Raum-Wohnung auf. Eine eigene winzige Galerie, in der kaum ein Quadratzentimeter Wand frei geblieben war. Bis er kurz vor seinem Tod sein erstes eigenes Atelier - ebenfalls in Grünau bezog - hat er in seiner Wohnung auch gearbeitet. Liebevoll chaotisch zwar, aber darum nicht weniger produktiv. Das Ausmaß und die Vielschichtigkeit seines künstlerischen Schaffens erstaunte selbst einige Freunde und Bekannte, die anlässlich seiner vorerst letzten und gleichsam größten Personalausstellung zusammengekommen sind.

Viel wurde an diesem Abend geredet - viel über Kunst im Allgemeinen, viel über Holm Hencks Kunst im Speziellen, noch mehr aber über den Künstler selbst: Kleine Anekdoten, nette Erinnerungen an ihn und seine recht eigene Art, Geschichten zum Lachen und solche, die nachdenklich stimmten. Und immer wieder tauchte die Frage auf: Was hätte er wohl von dieser Veranstaltung gehalten? Er hätte sich gefreut, sagen die einen. Er wäre stolz gewesen - zumindest innerlich, sagen die anderen.

Seine Tochter Karoline ist sich indes ganz sicher: Er wäre weggerannt. So war Holm Henck und so kann man ihn für sich bewahren. Bis zum 11. April wird letztmalig Gelegenheit sein, sich einen Großteil seiner Werke anzuschauen. In der Galerie Stadtvilla werden die Bilder von der Akademie Kunst & Design präsentiert und können wochentags während der Öffnungszeiten zwischen 10 und 18 Uhr besichtigt werden. Der Eintritt ist kostenfrei.

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