Grün-As

Unterhaltsam und nachdenklich

Das Internationale Theaterfestival Puppen Spiel Leipzig 2001 bot Veranstaltungen an verschiedenen Spielorten in und um Leipzig - so auch im Komm-Haus Grünau. Sonntagnachmittag, 21.Oktober, die Ferien sind zu Ende, etliche Leute sind unterwegs, um sich am Volksentscheid zu beteiligen, der Regen lässt noch auf sich warten… eigentlich ein idealer Zeitpunkt für das Kinder- und Familienprogramm unter der Überschrift »Hurra, ich hab ’nen Vogel«. Und dann kam er, etwas zerzaust, ein bisschen schmuddelig, ein Mann, der das Leben kennt, die Menschen, Tiere und Pflanzen mag. Bei sich hatte er »Karsten«, einen alten Holzkoffer, mit dem man auch Musik machen konnte, und unter seinem Hut fühlten sich Vögel wohl (irgendeine »Meise« hat ja wohl fast jeder). Die Geschichten und Lieder (viele zum Mitsingen) handelten von Vögeln, Katzen und einer tanzenden Großmutter, aber auch von der Trauer um ein abgerissenes Haus, von einem Baum, der zurechtgestutzt wurde. Der Künstler aus Coswig plädierte für den behutsamen Umgang miteinander, für die Akzeptanz der Besonderheit jedes Einzelnen, denn die macht ihn einzigartig und liebenswert.

Zum Schluss stellte Volker Funke, da überwiegend Erwachsene vor ihn saßen und er gerade erst Großvater geworden ist, sein neuestes Lied vor, das er für seiner Tochter und Enkeltochter geschrieben hatte. Da lief einem schon so ein leichter Schauer über den Rücken, wenn er die sich wandelnden Beziehungen zwischen Mutter und Tochter im Laufe der Zeit vorwegnahm (und der Opa immer als anteilnehmender Beobachter). Aber bei allen Problemen … die Tür wird nie verschlossen bleiben.

Nachdenklichkeit riefen jedoch nicht nur die Texte, sondern auch die leeren Stuhlreihen im Saal hervor. Eine Familie aus Connewitz und eine Mutti mit ihren beiden Kindern aus Borsdorf füllten den Raum nicht mal annähernd. Was machen eigentlich Kinder ab 5 Jahre am Sonntagnachmittag in Grünau? Übrigens, im kommenden Jahr wird es in Herbst das 11. Festival für Figuren-, Objekt- und Anderes Theater geben. Schauen Sie doch mal in den Flyer, in die Tageszeitung oder ins Grün-As. Über viele Besucher würden sich die Künstler und die Mitarbeiter des Hauses sehr freuen.

Mü.

THEATRium

Premiere

Bild »Papa wohnt jetzt in der Heinrichstraße« - so heißt die Inszenierung des THEATRium für Kinder ab acht Jahre, dessen Premiere am 24. Oktober 2001 begangen wurde.
Über Scheidungskinder und wie sie sich an diese Zeit erinnern, erzählt die Geschichte von Paul Maar, inszeniert von Anette Weber. Es spielen Stefan Haschke (zur Zeit im Freiwilligen Kulturellen Jahr und beteiligt sich seit 1996 aktiv in Jugendtheaterprojekten) sowie die neuen Ensemblemitglieder Ingke Prüß und Martin Frolowitz.

Bild »Du gehst weg? Magst du mich denn nicht mehr?«
»Doch, Jonas, doch! Das hat nichts mit dir zu tun. Mama und Papa trennen sich, nicht Papa und Jonas. Das verstehst du doch.« Nein, verstanden hat Jonas die Trennung seiner Eltern erst viel später, und so erzählt er heute erst davon , wie er die Zeit , als alles anders wurde, erlebte. - Von seiner Wut, seiner Ohnmacht, seinen Wünschen und seinen Versuchen, die Ehe der Eltern zu kitten.
Diese Aufführung ist besonders empfehlenswert für die Altersgruppe von acht bis zehn Jahren. Sehr interessant ist diese Thematik natürlich für auch für Erwachsene. Vielleicht werden dann die betroffenen Kinder besser von ihren Mitmenschen verstanden. Die nächsten Termine zu diesem Stück sind allerdings erst wieder im Februar.

Vorweihnachtliche Familiennachmittage

Wir vom Kinder- und Jugendtheater THEATRium laden alle Grünauer mit ihren Kindern (ab 4 Jahre) zu unserem Weihnachts-Musical ein. Genau gesagt ist es ja ein Miezical, denn in diesem Jahr inszenieren wir den Publikumsrenner »Katzen« von Agneta Elers-Jarlemann. Vier Katzen, die ausgesetzt wurden, leben gemeinsam auf einem Hinterhof. Sie sind völlig unterschiedlich: MOTZARTELLA, die schwarze Katze, spielt den Aufschneider, obwohl sie sehr ängstlich ist. Aber sie hat magische Talente und sehnt sich nach ihrem Kater. SCHNEEWEISS ist zum Sterben süß und hat die Hilflosigkeit eines Babys. Sie möchte von allen nur geliebt werden. MAUNZ ist grau, äußerlich ein gewöhnlicher Hauskater, aber innerlich wild. Er ist ständig auf der Jagd nach etwas Essbarem. Und schließlich ist da noch MARMELADE, der rote Kater, der behauptet, sein Vater sei König, aber eigentlich ist er genauso einsam wie die anderen.
Alle vier sind mit ihren unterschiedlichen Charakteren und Mitteln auf der Suche nach jemandem, der sie mag. Sie helfen sich gegenseitig, streiten und träumen ihr »Miezical«. »Katzen« ist ein liebevolles Musical (die Kinderversion des berühmten »Cats«), das mit viel Musik die existentiellen Wünsche vieler Menschen(kinder) verständlich darstellt. Premiere ist am Donnerstag, 6. Dezember, 15 Uhr. Für alle, die da keine Zeit haben, spielen wir Familienvorstellungen am Sa., 15. und So., 16.Dez., jeweils 15 Uhr. Kartenbestellungen unter 9 41 36 40.

55 Jahre bagage

Das älteste deutsche professionelle Kinder- und Jugendtheater Deutschlands, bagage - Das Theater der Jungen Welt in Leipzig beging am 16. November sein 55. Jubiläum. Zu diesem Anlass feierte das bagage-Theater mit berühmten Leipziger Künstlern und Prominenten, um für das künftige Theaterhaus am Lindenauer Markt, welches sich bereits seit 10 Jahren im Bau befindet, auch dieses Mal wieder auf der Baustelle eine Aktion »Ein Theater setzt sich durch« zu starten, um vielleicht im Jahre 2003, wenn es endlich einen Theatersaal erhalten sollte, nicht nur »Standing ovations« feiern darf, sondern sich sein Publikum durchaus auch hinsetzen könnte.
Aber um dieses Ziel zu erreichen, muss eine halbe Million Mark aufgetrieben werden, um das Theatergestühl zu finanzieren. Aus diesem Grunde übernahmen Leipziger Künstler Stuhlpatenschaften, die sie dann nach einer Gestaltungsphase im Juni 2002 zu Gunsten des bagage-Theaters versteigern. Darüber hinaus haben bereits am 16. November einige Persönlichkeiten der Stadt Leipzig sowie Parteifraktionen und Betriebe sich zum Kauf eines Theaterstuhls mit ihrem Logo verpflichtet.

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