Grün-As

Mathias Göpfert ist kein Gaston

Bild Wer bei Dorfgasthof automatisch an Schweinebraten, Bockwurst und Schnitzel denkt, der ist garantiert noch nie in dem von Seebenisch eingekehrt. Hier kümmert sich seit über 15 Jahren Familie Göpfert um das leibliche Wohl ihrer Gäste. Und das auf überraschend hohem Niveau und mit ständig neuen Kreationen. Als Hors d’oeuvre (für alle Gourmetunkundigen: Vorspeise) könnte man sich beispielsweise eine Pfannkuchensuppe bestellen und im Anschluss seinen Gaumen mit rosa Entenbrust an Sauerkirsch- Pfeffersauce verwöhnen. Auch Liebhaber deftiger Speisen dürften auf ihre Kosten kommen - allerdings nicht ohne Überraschungseffekt. Denn keinem Gericht, was bei Göpferts auf den Tisch kommt, fehlt der gewisse Schuss Raffinesse.

Dass das nicht immer so war, beweist die erste Speisekarte des Restaurants, die Inhaber Mathias Göpfert aufbewahrt hat und heute mit einem ungläubigen Lächeln zur Hand nimmt. Schweinebraten, Bockwurst und Schnitzel, kein Fisch, kaum etwas Vegetarisches - die Zeiten und Geschmäcker waren vor anderthalb Jahrzehnten eben andere. Von Beginn an bemühte sich der gelernte Bäcker zwar, kulinarische Neuheiten im dörflichen Einerlei zu etablieren. Zunächst schlugen diese Versuche jedoch fehl. Gebackenen Schafskäse - eine Anregung aus der griechischen Küche - wollte damals partout niemand bestellen. Noch heute erinnert sich der 34-Jährige daran, wie er mit seiner Frau Rebecca und seinen Eltern tagelang nur noch Käse gegessen hat, bis der kiloschwere »Fehleinkauf« endlich vertilgt war.

Bild Solche Erfahrungen machten den jungen Wirt zwar vorsichtig, entmutigten ihn aber nicht, seine innovativen Ideen weiter zu verfolgen. Peu á peu reformierte er das Speiseangebot, wälzten Kochbücher oder ließ sich in anderen Restaurants inspirieren. Dabei war Mathias Göpfert immer darauf bedacht, seine Mutter, die diese Ideen zunächst am Herd umsetzen musste, mit den neuen Rezepturen nicht zu überfordern. Mittlerweile hat seine zwei Jahre jüngere Frau das Küchenzepter übernommen. Die vierfache Mutter und Gastronomiefachfrau ist seither nicht minder bemüht, stets aufs Neue innovative Geschmackserlebnisse bei ihren Gästen zu erzeugen. Und das hat sich gelohnt. Der Göpfertche Gasthof ist nicht mehr nur Anlaufpunkt für Städter aus dem nahen Leipzig oder Zugereiste. Inzwischen sind auch die Seebenischer »Bauern« vom Konzept der jungen Küche überzeugt und zählen zur Stammkundschaft.

Wer glaubt, Göpfert will mit extravaganten Gerichten sein Wirtshaus zum Gourmettempel umfunktionieren, irrt. Der gebürtige Weißenfelser legt zwar Wert auf gute Küche, verzichtet aber glücklicherweise auf abgehobene Preise, die solchen Lokalitäten üblicher Weise zu Eigen sind. Mit »Gaston« zumindest, wurde er noch nicht angesprochen. Und das soll auch so bleiben. Für das typische Gasthof-Flair sorgen ein gemütliches Ambiente und die beinahe familiäre Atmosphäre. Letztere ist zwar unter anderem der relativ kleinen Gaststube auf zwei Etagen geschuldet, aber auch so gewollt. Denn spätestens wenn sich Mathias Göpfert zu seinen Gästen gesellt, um den neuesten Dorfklatsch auszutauschen weiß man wieder, dass man in keinem Gourmettempel, sondern im Seebenischer Gasthof zu Abend gegessen hat.

kmn
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