Am Kulki startet die Saison
Neuheiten und Traditionen rund um den Kulkwitzer See
Anfang des Jahres schlugen die Wellen am Kulkwitzer See im wahrsten Sinne des Wortes sehr hoch. Das Gewässer am Rande Grünaus war übervoll, Teile des
Ufers standen unter Wasser. Die Auswirkungen der Überflutung bekamen vor allem Ingrid Wittig vom gleichnamigen Bootsverleih und die Betreiber des
Campingplatzes zu spüren (»Grün-As«
berichtete im März ausführlich).
Seither sinkt der Pegel kontinuierlich etwa einen Zentimeter pro Woche. »Der Stand ist zwar immer noch 25 Zentimeter über dem Normalmaß, aber
der See fließt gut ab«
, freut sich Reinhard Ihle, Mitarbeiter der MittelSeen GmbH über die jüngste Entwicklung. Auch Ingrid Wittig ist ein wenig
zuversichtlicher. Wie geplant startete sie bereits im April in die neue Saison. »Der Steg ist glücklicherweise wieder begehbar. Unsere Gäste
kommen also trockenen Fußes zu den Booten, aber es gibt noch Einiges zu tun«
, erzählt die Inhaberin der Verleihstation. Da der Wasserspiegel des
Kulkis laut Aussage der Leiterin des Umweltamtes, Angelika Freifrau von Fritzsch wohl dauerhaft höher liegen wird, sind gewisse Vorkehrungen nötig.
Mitte April wurde darum am Bootsverleih Kies aufgefüllt, um das Gelände so anzuheben. Im Herbst - nach Saisonende - soll der Steg mit Scharnieren und
kleinen Schwimmbehältern versehen werden, damit dieser vor einer erneuten Überflutung gesichert ist. Auch die kleine Hütte muss weichen. »Die Neue
wird weiter oben platziert«
, so Wittig.
Weniger aufwendig war die Schadensregulierungen am Campingplatz - obwohl auch dort einige Stellflächen unter Wasser standen. Aber: »Die
trocknen von selbst ab«
, meint Reinhard Ihle. Trotzdem wurde bis Ende März ordentlich gewerkelt auf dem Gelände hinter und neben dem
Rezeptionsgebäude. Insgesamt acht Finnhütten wurden neu ausgestattet und optisch ihren großen Artgenossen, den Ferienhäusern im skandinavischen Stil
angepasst. Zudem entstand praktisch in nur zwei Monaten ein komplett überarbeiteter Zeltplatz. Dazu mussten uralte, morsche Pappeln gefällt werden, die
Drainage, Wege und Stellflächen wurden erneuert. 200 für Kurzzeit- und 130 für Dauercamper stehen nun am Rande der Stadt für Leipzig-Besucher und Urlauber
zur Verfügung.
Die tun auch Not. Denn mit Einführung der Umweltzone, die sehr zur Freude des Seebetreibers erst ein Stück weiter stadteinwärts beginnt, wird mit einem noch größeren Andrang von Erholungssuchenden gerechnet. Naturliebhaber müssen aber nicht gleich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen - gilt der gemeine Camper doch eher als sanfter Tourist. Problematischer sind da schon die Heerscharen von Jugendlichen, die sich bei Badewetter täglich in Nähe des Bootsverleihs zusammentun. Nicht nur Ingrid Wittig und ihr Mitarbeiter Peter Nevermann können davon ein Lied singen - verschwundene Wassertreter, hohe Lärmbelästigung, Müllberge und jede Menge Glasscherben sind allerdings noch die harmloseren Dinge, mit denen sich die Anrainer und Gäste herumärgern müssen. Hinzu kommen verstärkter Vandalismus und Einbrüche, die in den Sommermonaten schlagartig zunehmen.
Nicht umsonst denkt Ingrid Wittig über einen von den Pächtern am See finanzierten Wachschutz nach: »Das Problem muss doch in den Griff zu
bekommen sein«
, und fügt resolut hinzu: »Ich werde das noch einmal zur Sprache bringen.«
Bis es am Strand wieder richtig rund
geht, ist ja noch ein bisschen Zeit. Zeit, die die Gastronomen im Naherholungsgebiet nutzen, um ihre Lokale auf Vordermann zu bringen. Nach beinah
sechsmonatiger Schließung eröffnet beispielsweise der Seeblick wieder. Und nicht nur das. Viele wird es freuen, zu lesen, dass dort bald ein alter
Bekannter zu Tisch bittet. Klinkenwirt Mike Seiffert hat nach langer Suche endlich ein neues Objekt
gefunden und will demnächst in bewährter Qualität auftafeln. Stammgäste des Seeblicks müssen jedoch auf die wöchentlichen Tanzveranstaltungen verzichten.
»Die wird es zwar weiterhin geben«
, blickt Seiffert voraus. »Aber nicht mehr so oft.«
Neben etlichen Imbissangeboten sowohl auf Grünauer als auch auf Markranstädter oder Göhrenzer Seite, wird in Kürze die MS Frieda das kulinarische Angebot am See komplettieren. Eigentümer Wolfgang Kaiser hat einen neuen Pächter gefunden, der aus dem Piratenschiff zunächst wieder den guten, alten Flussdampfer machte, der er einmal war. Momentan werden im kleinen Café mit dem großen Freisitz zwar nur kleinere Speisen angeboten, aber das soll sich bald ändern.
Zu guter Letzt soll noch erwähnt werden, dass das Ende 2010 erlassene Fütterungsverbot von Wasservögeln, laut Amt für Umweltschutz gut akzeptiert wurde. Dies konnte bei vielfältigen Kontrollen festgestellt werden. Die Einstufung als Ordnungswidrigkeit mit einer entsprechenden Geldbuße hat sich sogleich positiv auf das Naherholungsgebiet ausgewirkt. Die Taucher können jedenfalls eine deutlich bessere Wasserqualität bescheinigen.
Klaudia Naceur