Grün-As
Leipzig Grün-As Stadtteilmagazin

»Die Grünauer sind oft auch unbequem«

Im Interview: VHS-Sachgebietsleiterin Dr. Sylvia Börner

Sie ist aus dem Grünauer Alltag überhaupt nicht mehr wegzudenken: Die Volkshochschule feiert in diesem Jahr das 20-jährige Bestehen ihrer beiden Außenstellen Paunsdorf und Grünau. Untrennbar mit der Bildungseinrichtung verbunden ist Dr. Sylvia Börner.

Die Kulturwissenschaftlerin war als Sachgebietsleiterin von Anfang für die hiesigen Kursangebote zuständig, schob Projekte an, verhalf unter anderem diesem Stadtteilmagazin auf die Beine, war Ideengeberin und Initiatorin, Streiterin für die Grünauer Sache, aber auch kritischer Geist. Für viele ist sie das Grünauer Gesicht der VHS. »Grün-As« unterhielt sich mit ihr über die Anfänge im Jahre 1993, die Ereignisse der letzten zwei Jahrzehnte und wagt einen Ausblick auf das, was eventuell noch kommen mag.

Grün-As
Aller Anfang ist schwer - kann man das auch im Fall der VHS Grünau sagen?
Dr. Sylvia Börner
Schwer ist vielleicht nicht das richtige Wort, aber wir haben klein angefangen.
Grün-As
Wie klein?
Dr. Sylvia Börner
Mit gerade einmal neun Kursen in Grünau. 156 Teilnehmer waren das damals.
Grün-As
Und wie viele sind es heute?
Dr. Sylvia Börner
2012 hatten wir 185 Kurse im Angebot und knapp 3000 Teilnehmer.
Grün-As
Eine kleine Erfolgsgeschichte, könnte man sagen. Wie kam es denn zu der Idee, in Grünau ein eigenes Angebot zu schaffen?
Dr. Sylvia Börner
Bei der Überlegung standen die beiden Großwohnsiedlungen Paunsdorf und Grünau im Fokus. Hier waren die Kommunikationsstrukturen schwieriger als in anderen Stadtteilen und der Weg zu unserer Einrichtung in der Innenstadt weiter. Wir wollten Bildung vor Ort anbieten. Daraus resultierte auch unser Slogan »VHS der kurzen Wege«.
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Und wie wurde das neue Angebot anfänglich angenommen?
Dr. Sylvia Börner
Unsere ersten Kurse waren ganz klassisch: Sprach-, Fitness-, Computer- und Ratgeberkurse. Aber es hat sich schnell herausgestellt, dass das bei weitem nicht reicht. Das Interesse der Grünauer an ihrem eigenen Stadtteil war beispielsweise so groß, dass es ganz spezieller Angebotsformen bedurfte.
Grün-As
Welcher denn?v
Dr. Sylvia Börner
Zum Beispiel haben wir bereits 1994 den Grünauer Stammtisch. initiiert. Eine offene Plattform für alle, die sich im und für den Stadtteil einbringen möchten. Dieser Runde verdankt Grünau übrigens auch sein Stadtteilmagazin.
Grün-As
Das wussten sicher nicht viele. Warum wuchert die VHS denn nicht offensiv mit derartigen »Erfolgspfunden«?
Dr. Sylvia Börner
Weil es in erster Linie darum geht, Dinge anzuschieben und die Menschen zu befähigen, sie dann selbst in die Hand zu nehmen. Wir lassen dann los, wenn es läuft. Aus vielen Projekten haben wir uns irgendwann rausgenommen. Andere, wie den Club der Nachdenklichen oder die AGENDA- Gruppe begleiten wir nach wie vor.
Grün-As
Solche Projekte klingen aber so gar nicht nach typischem Unterricht, den man beim Begriff »Schule« vielleicht vermutet.
Dr. Sylvia Börner
Genau. Viele schreckt der Name »Volkshochschule« leider ab. Zu Unrecht. Denn mittlerweile würde ich fast behaupten, dass das klassische Lernen eher die Ausnahme darstellt. Bildung ist es auch, wenn ich mir einen Lichtbildervortrag anschaue oder mich mit Themen aus meinem Umfeld auseinandersetze. Viele Angebote der letzten 20 Jahre entstanden aus einem aktuellen Anlass. So hat uns beispielsweise der Stadtumbau auch als VHS sehr beschäftigt.
Grün-As
Also kamen viele Impulse von den Grünauern selbst?
Dr. Sylvia Börner
Ja, das war und ist auch so gewollt. Es gibt Themen, die sich uns nie erschlossen hätten ohne die Einwohner, die eine Vielzahl von Ideen entwickeln und sich engagieren.
Grün-As
Lassen Sie uns noch einen kurzen Blick in die Zukunft werfen. Die VHS hatte bislang keinen eigenen Standort in Grünau. Das soll sich aber ändern.
Dr. Sylvia Börner
Richtig. Bislang liefen unsere Kurse in den verschiedenen Einrichtungen - hauptsächlich im KOMM-Haus und im Stadtteilladen. Das hatte den Vorteil, dass die Wege tatsächlich sehr kurz waren und wir dadurch mit den vielen Akteuren intensiv in Kontakt standen. Mit dem geplanten Bildungszentrum werden wir voraussichtlich eigene Räumlichkeiten beziehen.
Grün-As
Gibt es etwas, was Sie sich für die Zukunft der VHS in Grünau wünschen?
Dr. Sylvia Börner
Ich wünsche mir, dass »meine« Grünauer so bleiben, wie sie sind. Die sind aktiv, die melden sich zu Wort, die sind oft auch unbequem, aber nur so erreichen sie etwas. Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg an der Grünauer Bildungsfront.
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