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Die Gießerei Georg Fischer GmbH in Großzschocher (2)

Bei Schubert & Salzer gab es für die Beschäftigten ein happy ending: Am 1.1.95 übernahm der international tätige Schweizer Gießerei- und Maschinenbaukonzern Georg Fischer AG den Leipziger Betrieb. Die Investitionen sind bis heute weiter gegangen. Im Februar 2000 ist eine neue Schmelzanlage in Betrieb genommen worden und im März 2001 eine neue Produktionshalle. Damit können Aufträge flexibler bearbeitet werden, zugleich sind die Umweltbelastungen weiter vermindert worden. Das Schweizer Unternehmen ist fest entschlossen, auch in Zukunft den Standort Leipzig zielstrebig weiter auszubauen und hier zu investieren. Die Leipziger Gießerei dürfte inzwischen eine der modernsten ihrer Art weltweit sein.

Der Leipziger Betrieb gießt vorwiegend Achsen und andere Teile für den LKW-Bau, dazu kommen Teile für die Rotoren von Windkraftanlagen und Teile für Schiffsmotoren. Der Exportanteil beträgt ca. 50%. Das Unternehmen setzt gezielt darauf mit gut ausgebildeten Fachleuten und modernster Technik schwierige Teile zu gießen.

Pro Jahr werden gegenwärtig etwa 30.000 t Gussteile hergestellt. Die Kapazität liegt bei 40.000 t. Diese auszuschöpfen ist das Ziel der nächsten Jahre. Vom erwarteten Boom der Zulieferindustrie für das neue BMW-Werk ist die Gießerei nicht unmittelbar betroffen, da keine Teile für Pkws gegossen werden. Sie passen auch nicht in das auf schwere Gussteile spezialisierte Anlagenprofil. Aber die Gießerei in Großzschocher ist nicht nur wirtschaftlich erfolgreich. Sie hat auch im Umweltschutz und bei der Mitarbeiterführung beachtliches geleistet.

Die Mitarbeiter

Auf die Frage nach der Konkurrenz durch die Billiglohnländer, erzählte Herr Mannhardt, dass viele Kunden, die zunächst zu Unternehmen in Ost- und Südeuropa abgewandert waren, nach Leipzig zurückgekehrt sind. Die Firmen in diesen Ländern können bei hochkomplizierten Gussteilen hinsichtlich Qualität, Zuverlässigkeit und Schnelligkeit mit Leipzig nicht mithalten. Statt sich in einen tödlichen Wettkampf um möglichst niedrige Lohnkosten hineinziehen zu lassen, setzt die Gießerei in Großzschocher auf moderne Führungsmethoden, qualifizierte Mitarbeiter und Arbeitsbedingungen, die möglichst hohe Befriedigung in der Arbeit gewährleisten. Gestützt auf diese Mitarbeiter und modernste Technik ist es möglich Leistungen zu erzielen, die es dem Unternehmen gestatten sich trotz im Vergleich zu vielen Konkurrenten relativ hoher Löhne auf dem Weltmarkt hervorragend zu behaupten.

So achtet das Management darauf, dass die Leitungshierarchie möglichst flach gehalten wird. Verantwortung und Kompetenzen wurden nach unten delegiert. Das erhöht nicht nur die Leistungsbereitschaft und die Motivation, sondern auch Zufriedenheit und Flexibilität der Mitarbeiter. Zur Unternehmenskultur gehört es auch, dass die leitenden Manager sich möglichst viel vor Ort bei ihren Mitarbeitern aufhalten, nicht um diese zu überwachen, sondern um sich zu informieren und gemeinsam nach ständigen Verbesserungen zu suchen.

Entwickelt hat sich im Unternehmen inzwischen ein effizientes Vorschlagswesen. Über viele kleine Verbesserungen hat das Unternehmen seine Wettbewerbsfähigkeit stetig verbessern können. Wichtiger als die Einsparung von Geld ist aber die Auswirkung auf die Mitarbeiter. Nur wenig fördert die Leistungsbereitschaft so, wie das Gefühl mitreden zu können, einen Beitrag zu leisten, Missstände zu überwinden und Probleme zu lösen.

Probleme gibt es, motivierte und leistungsfähige Lehrlinge zu finden. In den nächsten Jahren werden Engpässe bei Ingenieuren erwartet. Gießereitechnik ist ein Fach, das viel zu wenig studiert wird. Die Schüler und meist auch die Lehrer wissen erschreckend wenig über die klassischen Industrieberufe. Sie gelten oft als Relikte aus der Dino-Zeit, die demnächst aussterben. Das Gegenteil ist richtig, wer heute Gießereitechnik oder Elektrotechnik studiert oder eine Lehre als Facharbeiter in einem Metallbetrieb antritt, einem Chemiebetrieb oder einem Lebensmittelbetrieb, um nur einige Branchen zu nennen, hat bei erfolgreichem Abschluss beste Chancen einen sicheren Arbeitsplatz zu finden.

Um den eigenen Nachwuchs zu sichern ist die Gießerei dabei, Kontakte mit Schulen, vor allem Gymnasien in Grünau, auszubauen. Schulen, die Interesse an Betriebsbesichtigungen und Informationsveranstaltungen haben, sollten sich umgehend mit dem Unternehmen in Verbindung setzen. Auch andere Leipziger Unternehmen sind an solchen Kontakten mit Schulen interessiert, um motivierten Nachwuchs zu gewinnen.

Umweltschutz

Bild Die Autohersteller sind zunehmend bestrebt, umweltfreundlich zu produzieren. Das hat auch Auswirkungen auf Lkw-Zulieferer wie die Leipziger Gießerei. Der Wunsch der Kunden nach höheren Umweltstandards fiel bei dem Schweizer Unternehmen auf einen fruchtbaren Boden. Umweltschutz gehört seit vielen Jahren zu den wichtigsten Firmenzielen der Georg Fischer AG.

Die Entscheidung 1997, als erster Leipziger Metallbetrieb, ein Öko-Audit durchzuführen war die logische Konsequenz dieser Firmenpolitik. Dabei konnte sich das Unternehmen auch auf Arbeiten des Vorgängers stützen. Schon zu Zeiten von Schubert & Salzer waren zwei vom Bundesumweltministerium mit 3 Mio. DM geförderte Pilotprojekte zu Energiesparen, Abgasreinigung und Regenerierung der Formsande durchgeführt worden. Die ersten Ergebnisse bei der Wiederverwendung der Gießereisande waren erfolgversprechend und wurden schnell von anderen sächsischen Gießereien übernommen. Um 70% konnte die als Sonderabfall zu deponierende Menge von verbrauchten Gießereisanden inzwischen gesenkt werden. Das hat nicht unwesentlich dazu beigetragen, dass die Dresdner Regierung sich entschloss, wegen rasch zurückgehendem Sondermüllaufkommens auf eine eigene Deponie zu verzichten und den sächsischen Sondermüll in Thüringen zu deponieren.

Bei der Durchführung des Öko-Audites wurden eine ganze Reihe von Möglichkeiten aufgedeckt, mit Umweltschutz durch verminderten Einsatz von Energie und Wasser, Verminderung und Recycling von Abfällen Geld zu sparen. Schon im ersten Jahr wurde so doppelt so viel eingespart, wie das Audit gekostet hat.

Einmal im Jahr erarbeiten alle Tochterfirmen des global tätigen Schweizer Unternehmens Umweltberichte. Auf dieser Grundlage wird hart verglichen und gute Erfahrungen werden schnell verbreitet. Es ist übrigens kein Zufall, dass die Tochter eines ausländischen Unternehmens so eine vorbildliche Umweltpolitik leistet. Auch die meisten anderen sächsischen Unternehmen, die in Sachen Umweltschutz vorbildlich arbeiten, gehören meist ausländischen Unternehmen. Genannt seien zum Beispiel die sächsischen Olefinwerke in Böhlen, eine Tochter des amerikanischen Unternehmens Dow chemical, die wir mit der Volkshochschule im Juni besuchten.

1998 erhielt die Leipziger Gießerei als eines von weltweit 10 Gießereien einen Preis für vorbildlichen Umweltschutz. 2001 erfolgte die Zertifizierung des betrieblichen Umweltmanagementsystems nach EMAS II sowie erstmals auch nach der weltweit anerkannten Norm DIN ISO 1410. Seit 1999 ist die Georg Fischer GmbH Leipzig auch Mitglied der Umwelt-Allianz Sachsen. Damit tragen die Erfolge bei der Verringerung der produktionsbedingten Umweltbelastung nun auch über gesteigertes Ansehen und Bekanntheit zum Verkaufserfolg bei. Nicht zu vergessen ist, dass solche Erfolge beim Umweltschutz natürlich auch die Leistungsmotivation der Mitarbeiter anregen.

Zur Umweltpolitik des Unternehmens gehört auch, sich den Wünschen der Bewohner und Kleingärtner der Nachbarschaft zu stellen. Um mit diesen ins Gespräch zu kommen, wird jährlich ein Tag der offenen Tür durchgeführt. Dabei werden Ängste und Sorgen abgebaut, die einfach auf Gerüchten und mangelnder Information beruhen. Darüber hinaus hat das Unternehmen seinen Anlieferungsplatz so umgebaut, dass Lärm weitgehend vermieden wird. Abgeladen wird nun in einer geschlossenen Einfahrt. Selbst nachts werden die Anwohner nun nicht mehr durch den Lärm gestört. Eine weitere Konfliktquelle waren unangenehme Gerüche. Sie entstehen durch Amine, die bei der Kernherstellung als Katalysator eingesetzt werden. Ich habe es nur noch gerochen, als wir direkt in der Halle standen, in der diese Arbeiten durchgeführt werden. Schon vor der Halle war nichts mehr zu spüren. Durch den Einsatz eines zusätzlichen Gasbechers seit Februar 2001 sowie mit der weiteren Modernisierung dieses Bereiches wird sich auch der schwache Restgeruch weiter vermindern. Kein Vergleich mehr mit DDR-Zeiten als bei Südwestwind die GISAG bis ins Stadtzentrum stank.

P.S.: Die Volkshochschule plant auch in Zukunft weitere Veranstaltungen in und mit Leipziger Betrieben. Wir sind Ihnen daher dankbar, wenn Sie uns Ihre Wünsche und Anregungen dazu mitteilen.
Dr. Leonhard Kasek

Georg Fischer GmbH, Georg-Fischer-Strasse 2, Postfach 341156, 04233 Leipzig, Phone: +49 (0)341-482 30, Fax: +49 (0)341-482 31 05,EMail: info@le.automotive.georgfischer.com

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