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Leipzig Grün-As Stadtteilmagazin

Wie geht's weiter?

Migration in Grünau

Es ist ruhiger geworden in der Debatte um die Unterbringung Asylsuchender in Leipzig. Seit dem im März diesen Jahres die so genannte Balkanroute für Flüchtlinge geschlossen wurde, kommen deutlich weniger Menschen nach Deutschland.

Ende 2015, Anfang 2016 sah das noch anders aus. Händeringend suchte die Kommune zu diesem Zeitpunkt nach geeigneten Objekten für Flüchtlingsunterkünfte, die möglichst schnell in Betrieb genommen werden können. Aufs Geld wurde in dieser Notlage kaum noch geschaut.

So sollte auch der Stadtrat im Februar per Eilentscheid über ein 9-Millionen-Euro-Projekt für 500 asylsuchende Personen in der Diezmannstraße 12 votieren. Beschlossen wurde die Vorlage mit kleinen Korrekturen dann einen Monat später.

Noch ist die Fläche hinter dem Bürogebäude von HochTief unberührt, von Baufahrzeugen keine Spur. Man hat es nicht mehr ganz so eilig. In einer Vorlage zur Ratsversammlung im Mai ist die Inbetriebnahme der Gemeinschaftsunterkunft in Modulbauweise erst für Dezember avisiert.

Bis dahin sollen neun dreigeschossige und ein zweigeschossiges Gebäude mit einem großen zentralen Platz als Treffpunkt und für sportliche Aktivitäten sowie Gemeinschaftsflächen entstanden sein. An den Kosten hat sich nicht wesentlich etwas verändert: Abzüglich des Grundstückpreises berappt Leipzig rund 8,3 Millionen Euro für den Bau, der allerdings auf Nachhaltigkeit setzt.

Sollten die Flüchtlingszahlen weiterhin drastisch sinken, kann die Unterkunft auch anderweitig sinnvoll genutzt werden. Während das Objekt Diezmannstraße derzeit lediglich auf dem Papier besteht, ist man andernorts in Grünau sehr viel weiter.

Die ehemaligen Kitas im Deiwitzweg und in der Liliensteinstraße, die künftig jeweils 89 Personen beherbergen, werden momentan aufwendig saniert. In Betrieb gehen sie im Spätsommer August / September.

Erst ein Vierteljahr später wird das ehemalige Ökumenische Gästehaus bezugsfertig sein, dessen Sanierung seit einem halben Jahr läuft und mehrere Millionen Euro kostet. 336 Menschen werden in der Weißdornstraße ab Januar 2017 untergebracht.

Zusammen mit der kleinen Unterkunft im Robert-Koch-Park mit 50, der seit jeher bestehenden in der Liliensteinstraße mit 220 und dem Quartier für unbegleitete minderjährige Ausländer im Andromedaweg mit zirka 30 Personen, finden in Grünau zukünftig knapp 800 Geflüchtete (Diezmannstraße ausgenommen) in Gemeinschaftsunterkünften ein vorläufig neues Zuhause.

Das hört sich zunächst viel an, fällt aber, gemessen an der Einwohnerzahl des Stadtteils, nicht weiter ins Gewicht. Anders sieht es da schon bei der Anzahl der dezentral untergebrachten Asylbewerber aus. Ihr Anteil in Grünau, vor allem im Zentrum, ist in den letzten Monaten deutlich gestiegen. Die Vermieter der so genannten Gewährleistungswohnungen halten sich mit genauen Angaben auffällig zurück, aber im Rathaus habe man nach eigenen Aussagen die Entwicklung entlang der Stuttgarter Allee und der Ringstraße im Auge.

Gänzlich unproblematisch ist die Situation im WK 4 jedenfalls nicht. Integrationsbemühungen sind hier dringend von Nöten. Ein Thema, dem sich der längst versprochene Asylkoordinator unter Anderem widmen müsste. Im Januar sollte er in Grünau seine Tätigkeit aufnehmen, allein die Stelle ist bis heute noch nicht ausgeschrieben. »Grün-As« bleibt dran.

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