Grün-As
Leipzig Grün-As Stadtteilmagazin

Mordshunger

Eine Mord- und Heimatgeschichte des Grünauer Autors Jürgen Leidert
Teil 19

In der Küche hatte sichs Wattel auf einem Schemel bequem gemacht, den kleinen Korb auf dem Schoß, fing er an, mit einem scharfen Messer die Pilze zu putzen.

»Sind schene Bofiste un Champignons, Ole!« Er schnitt sie in kleine Stücke in den von Olaf bereit gestellten Tiegel mit etwas Rapsöl.

Inzwischen hatte Olaf den Küchenherd mit Holz geheizt, was er in den Ellern gesammelt hatte. Die Sonne drückte auf den Schornstein, so qualmte es anfangs gewaltig und wollte nicht anbrennen. Wattel fluchte: »Du Hornvieh, musst mehr Papier nehmen und ins Feuerloch blasen, dann brennt's besser an. Bekomm schon keene Luft mehr!«

Ole gab sich alle Mühe und nun loderten die Flammen. Axel hatte in seinen Tiegel das Schweinefett getan und auf der Herdplatte zum Schmelzen gebracht. Die Hälfte der Pilze aus dem großen Korb hatte er auch geschnitten.» Den Rest schaffe ich hoch, ist schon geputzt, da ist es kühl und sie halten sich bis Ostern! - Bin gleich zurück.«

»Ja, Wattel, ich beginne meine zu braten, hab noch eine Zwiebel dran geschnitten, wenn du auch eine willst, hole ich dir eine aus dem Garten und etwas Petersilie dazu? Schneide die Zwiebel dran!«

»Gute Idee, du Rotznase, jeweils ein Ei muss in jeden Tiegel«, antwortete Axel.

Bald waren die Portionen für Jeden fertig gegart, mit Pfeffer und Salz gewürzt, zuletzt kam die Petersilie an die Mahlzeit. »Olaf, ich nehme meinen Tiegel mit nach oben, da hab ich mehr Platz und Ruhe beim Essen. Lass' es dir schmecken!«

»Na, dann guten Hunger, hab jetzt selbst einen Mordshunger, nachdem ich die halbe Nacht bis zum frühen Morgen alles weggekotzt habe!«

KAPITEL V

Mutter hatte Herrn Rietzschold das Angebot mit dem Service unterbreitet. Er war damit sehr zufrieden. Sie hatte schon als Vorschuss einige leckere Nahrungsmittel erhalten: Eier, Butter, Sirup, Kartoffeln und einen alten Hahn.

»Der Hahn hat sein Soll erfüllt, jetzt muss ein jüngerer an seiner Stelle die Hühner treten. Ich hätte ihm ohnehin den Kopf abmachen müssen«, hat er gesagt, berichtete Mutti.

»Da haben wir ja einen schönen Osterbraten! Marla, wir werden einen Festschmaus zubereiten. Dazu noch die Pilze, das ist wie in Friedenszeiten!«

Während Gunter schon wieder genesen war und unsere Mütter in der Küche sich zu schaffen machten, spielten wir im Hof mit den anderen Kindern 'Himmelhuppe', danach mit den Karten 'Leben und Tod'. Bis zum späten Abend ging es sehr harmonisch zu. Jeder von uns war freudiger Erwartung; was wird es wohl Ostern für uns geben. Nur Irene war noch immer etwas traurig, weil ihr Hase in die Pfanne sollte.

Todmüde vom Spiel gingen wir zur Nachtruhe, hatten nur noch eine Kleinigkeit gegessen. Ich konnte nicht so recht einschlafen, es war eine Vollmondnacht. Noch dunkel, der Mond wurde von einer Wolke verdeckt, da ratterte ein Handwagen oder Rollfix den Erlenweg hoch. Ich dachte: »komisch, wer hat denn um diese Zeit so viele Ostereier im Erlenholz zu verstecken?« Bald aber hatte ich diese nächtliche Ruhestörung vergessen.


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