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Leipzig Grün-As Stadtteilmagazin

Gedanken zum Kriegsende (1)

Kindheitserinnerungen die man nie vergessen kann

Am 8. Mai jährt sich das Ende des zweiten Weltkrieges zum 72. Mal. Unsere Leserin Hannelore Frömmig erlebte die letzten Tage des Krieges als Sechsjährige in einem Garten in der Grünauer Siedlung. Heute lebt sie noch immer in Grünau. Ihre Erinnerungen hat sie längst zu Papier gebracht und uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt. In den Ausgaben Mai und Juni können Sie sie auszugsweise nachlesen.

Das Jahr 2017 hat erst angefangen und die Menschen wünschten sich Gesundheit, Glück und Freude. Schaut man sich als interessierter Bürger abends die Nachrichten an, so stellt man fest, dass die Welt aus Krisenherden, Kriegen und Terror besteht. Der 8. Mai 2017 steht im Kalender als Befreiungstag und das dürfen wir nicht vergessen. Eine Geschichte – eine wahre – möchte ich dazu erzählen. Es ist ein Bild aus der Vergangenheit, als unsere Familie im Zusammenhalt durch ein schweres Leben kam.

Wo und wie lebten wir eigentlich damals, als die Völker in der Zeit von 1939-1945 Krieg miteinander führten?

In jener Zeit waren wir Kinder. Am 19.02.1939 wurde ich, Hannelore, als erstes Kind geboren. Am 01.01.1943 wurde Monika geboren. Am 24.08.1944 wurde Steffi in Meißen geboren. Unser Vater war Soldat in Russland.

Soldat in Russland

Seit Mitte 1942 trat an den meisten Fronten eine Wende ein. Bei Stalingrad wurde im Winter 1942/43 eine deutsche Armee eingekesselt und vernichtet. Vor Stalingrad, bevor der Kessel geschlossen wurde, konnte mein Vater zurückgesetzt werden, weil er Sohn eines gefallenen Soldaten des 1. Weltkrieges war (1914-1918). Seine Mutter (Oma Gnauck) hatte ein Gesuch auf Anraten von Opa Gnauck gemacht. Und es wurde genehmigt. Unser Vater kam nach Frankreich bis Brest – ein Hafen am Atlantischen Ozean – und arbeitete in einer Werkstatt-Kompanie.

Seit Juni 1940 war Frankreich von den Deutschen besetzt. Später erlitt er eine Schussverletzung. Die Splitter drangen durch sein Kinn. Er schleppte sich in den Schützengraben und verband sich selbst. Ein Soldat hatte ihn gefunden und weggeschleppt. Er kam in ein Lazarett.

Rückweg nach Deutschland

Ende 1942 ging es zu Fuß zurück nach Deutschland, in Richtung Bingen/Rüdesheim am Rhein. Zurück auf deutschem Gebiet, erfolgte die Heimkehr nun auf LKWs und später mit einem Güterzug – sitzend auf Kohlen. In Deutschland – Sachsen – erhielt unser Vater einen Erholungsurlaub. Die große Wunde war noch offen. Für ihn ging es nun nach Dresden.

Und wir? Was wurde mit uns?

Da die Angriffe auf die Städte immer mehr zunahmen, wurden die jungen Mütter mit ihren Kindern auf das Land evakuiert. Meine Mutti kam mit mir und klein Moni nach Jesseritz bei Meißen auf einen großen Bauernhof. Die Familie Gebhardt kümmerte sich rührend um uns. Die Verwandten durften uns auch besuchen. Sie wussten auch, dass in Dresden viele Soldaten lagen. Durch die Feldpost erfuhren wir, dass unser Vati auch dort im Lazarett lag.

Die Fahrt mit dem Dampfer nach Dresden

Wir wollten ihn am 23. August 1944 besuchen. Wir mussten mit dem Elbdampfer fahren. Die Haltestelle war zunächst »Der Keilbusch«. Bis dahin liefen wir vom Gutshof aus. Moni saß im Kinderwagen, ich half schieben, da Mutti hochschwanger war. Der Dampfer, der stets auf der Elbe fuhr, kam. Es war einer der heißesten Tage des Augusts.

Die Sonne prasselte nur so vom Himmel. Moni und ich hatten einen furchtbaren Durst. Mutti ging Limonade kaufen. Ich hatte meine kleine Schwester auf die Bank gesetzt. Es konnte nichts passieren. Die Geländer waren mit weißen Netzen bespannt. Doch Moni steckte die Füßchen durch das Netzgitter und begann, zu strampeln...

Fortsetzung folgt

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